Chronik

Über 100 Jahre – ein Stück Sportgeschichte nicht nur im Hammer Süden

Am 01.07.2008 war es soweit: Durch die Fusion der SSG Hamm 06/24 e.V. und dem Post SuS Hamm 05/31 e.V. entstand ein neuer Sportverein im Hammer Süden, der die neue Heimat von über 1000 Mitglieder ist:

Der Südener Sport-Verein Hamm 05/06 e.V.

Doch auch die beiden Vorgängervereine waren schon Fusionsvereine, wie die Jahreszahlen in den Namen schon verraten. Hierraus ergibt sich eine über 100 Jahre alte Sportgeschichte und Tradition im Hammer Süden.

Im folgendem möchten wir zuerst auf die Chronik der SSG Hamm eingehen, als einen Verein, der sich zu den Wurzeln seines Ursprungs in den zwei Vereinen bekennt, die 1972 fusionierten:

Teutonia 06 Hamm und VfL Berge 1924.

  • Ursprung und Gründung der Teutonia
  • Fußball machte den Anfang
  • Teutonia vor und nach dem 2.Weltkrieg
  • Niedergang des DJK-Verbandes
  • Gründung als VfR Berge
  • Neue Infrastruktur in den 80ern
  • Sportliche Highlights in den 90ern
  • Das neue Jahrtausend

525cb319f4Ursprung und Gründung der Teutonia

Es begann 1906, in einer Zeit wirtschaftlichen Aufblühens, aber auch sozialer Gegensätze. Hamm hatte sich von einem Acker-Bürger-Städtchen zu einer Industrie-Stadt gewandelt. Die früher landwirtschaftlich genutzten Feldmarken vor den Toren der Stadt wurden Wohngebiete, vor allem auch für die zuziehenden Industriearbeiter. So auch die Südenfeldmark: Um die Jahrhundertwende war dort die Bevölkerung so gewachsen, dass die Errichtung einer eigenen katholischen Pfarrei notwendig geworden war.

Am 1.Mai 1906 wurde in Hamm-Süden die “Jünglings-Sodalität” gegründet, in der von Anfang an die Bedeutung des Sports für die jugendliche Entwicklung gesehen und Leibeserziehung praktiziert wurde. Dieses Datum hat daher die “Teutonia” immer als ihren Gründungstag betrachtet und begangen.

1909 wurde die Sportabteilung dieser Jugendgruppe selbständig, 1919 zu einer Turn- und Sportgruppe erweitert, die die anderen Jugendgruppen der Liebfrauengemeinde sportlich mitbetreute. Ein Jahr später schloß sich die Abteilung der neugegründeten “Deutschen Jugendkraft” (Reichsverband für Leibesübungen in katholischen Vereinen) an und legte sich den Namen “Teutonia” zu.

13d1097079Fußball machte den Anfang

Der Überlieferung nach wurde als erster Sport Fußball betrieben, und zwar nach ziemlich frei ausgelegten Regeln auf einer Wiese des Bauern und Wirtes Heitkämper an der heutigen Eschenallee. Bald kamen auch Leichtathletik und Turnen hinzu, eine Wanderabteilung konnte sich schon ein Heim in Ostwennemar ausbauen, die Kanuabteilung später ein Bootshaus am Kanal.

Nach dem ersten Weltkrieg wurde das Sportprogramm um das neu aufkommende (Feld-) Handballspiel erweitert, so dass schon damals sportliche Breitenarbeit geleistet wurde, die den Verein bis heute auszeichnet. Geturnt wurde in der für jene Zeit hochmodernen Turnhalle an der Lessingstraße. Zu den Spielen teilte man sich mit dem SuS 05 einen Sportplatz an der Eschenallee.

Als 1931 die Teutonia sechs  Fußballmannschaften und ein Schlagballteam stellte, war dieser Zustand untragbar geworden.

Teutonia vor und nach dem 2.Weltkrieg

In diesen Jahren der Depression und Arbeitslosigkeit schufen die Mitglieder der Teutonia in einem “freiwilligen Arbeitsdienst” südlich des heutigen Beisenkamp-Gymnasiums einen neuen Sportplatz mit 400-Meter-Bahn und ein massives Sportheim. Doch lang währte die Freude an der selbst geschaffenen Anlage nicht.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten Anfang 1933 wurden Platz und Heim von den neuen Spitzen der Stadt der DJK Teutonia entzogen und der SA zur Verfügung gestellt. 1935/36 wurde auf diesem Gelände dann die Panzerkaserne gebaut. Alle DJK-Vereine wurden verboten, der Vorsitzende des Verbandes, Adalbert Probst, in Berlin sogar erschossen. – “Teutonia” schien ausgelöscht …

Doch nach Kriegsende 1945 regte sich der Sport bald wieder im Hammer Süden, schon damals entstand eine Art “Südener Sportgemeinschaft“. Auf Befehl der Besatzungsmacht mußten sich die Südener Vereine SuS 05, TV Westfalia und der Eisenbahn-Sportverein zum VfB 91/05 zusammenschließen, doch hatte diese Zwangseinigung keinen langen Bestand.

Auch in der totgeglaubten Teutonia regte sich wieder Leben: Nachdem sie zunächst mit der DJK Arminia einen gemeinsamen Spielbetrieb eröffnet hatte, trat sie 1949 dem neugegründeten DJK-Verband Rhein-Weser bei, erhielt von der Stadt einen Sportplatz an den Zentralhallen zugewiesen und nahm erfolgreich den Sport in den verschiedenen Abteilungen wieder auf.

So wurde die Handballmannschaft Verbandssieger der DJK, die Leichtathletik-Abteilung 1955 Mannschaftssieger beim Verbandstreffen, die Fußball-Jugend errang den Verbandspokal 1958.

Niedergang des DJK-Verbandes

In den 60er Jahren wurde allerdings immer deutlicher, dass der eigenständige DJK-Verband nicht mehr recht lebenskräftig war und einen geregelten Sportbetrieb nicht mehr organisieren konnte. Auch bei Teutonia war im wesentlichen nur noch die Fußball-Abteilung intakt.

Nach schwerem Ringen trat die Teutonia dann 1962 dem Westdeutschen Fußball- und Leichtathletik-Verband bei und zehn Jahre später vollends aus dem DJK-Verband aus. Es war etwas demütigend, dass die gute Fußballmannschaft satzungsgemäß in der 2.Kreisklasse beginnen mußte, doch schaffte sie den sofortigen Durchmarsch bis in die Kreisliga A.

Neben der Fußball-Abteilung mit ihren Senioren- und Schüler-Mannschaften erwuchsen dann 1963 eine Kinderabteilung und Fitness-Abteilungen für Männer und Frauen, zudem wurde1968 offizielle die Tischtennis-Abteilung gegründet. Da der Sportplatz an den Zentralhallen durch die Westfalenschauen zerstört war, mußte die Teutonia jahrelang auf einem Nebenplatz des Jahnstadions ihre Fußballspiele austragen, bis 1972 der Platz am Langewanneweg fertig gestellt war. Doch da war die Fusion mit dem VfL Berge bereits vollzogen.

Gründung als VfR Berge

Über die Anfänge des VfL zu berichten, ist sehr viel schwieriger, da der Krieg alle Unterlagen vernichtete. Fest steht aber, dass er am 10.April 1924 von einigen fußballbegeisterten Berger Bürgern in der Wirtschaft Althoff am Pilsholz aus der Taufe gehoben wurde. Man begann im Herbst 1924 “Verein für Rasensport 1924 Berge” (VfR) an Meisterschaftsspielen teilzunehmen.

Gespielt wurde auf einer Wiese des Vereinswirtes Althoff und – ganz wie die Teutonia – in rot-schwarzen Trikots. Zwei Jahre später bereits spielten drei Senioren- und vier Jugendmannschaften in den Berger Farben.

Natürlich war man bestrebt, in der Gemeinde Berge selbst einen Sportplatz zu bekommen. Es bedurfte jedoch langer und zäher Verhandlungen, ehe das Gelände an der Gaststätte Sütau (später Weber) dem Verein zur Verfügung gestellt wurde. Ohne jede öffentliche Unterstützung, mit viel Fleiß, Schweiß und Idealismus schufen auch hier die Mitglieder aus Ackerland einen schönen Sportplatz.

Bis zum Beginn des 2.Weltkrieges gelang der Aufstieg in die damalige A-Klasse, aber neben dem Sport wurde auch die Geselligkeit im Verein VfR Berge nie vernachlässigt.

Aus VfR wird VfL Berge Auch in Berge verfügte nach Kriegsende die Besatzungsmacht die Vereinigung der beiden Vereine VfR und TV 09, die unter dem Namen VfL 09 Berge geschah. Der Sportplatz, durch Bomben zerstört, mußte in mühseliger Kleinarbeit wieder hergestellt werden zur heutigen “Friesen-Kampfbahn” – übrigens benannt nicht nach dem nördlichen Volksstamm, sondern nach dem Mitarbeiter des Turnvaters Jahn, Fritz Friesen (1785-1814).

In den 60er Jahren erstellte dann die Gemeinde neben dem Sportplatz ein modernes Gebäude, das die unzulänglich gewordenen Umkleideräume im Anbau der Wirtschaft Weber ersetzte.

Nach der Auflösung des erzwungenen Einheitsvereins behielt der Fußballverein den Namen VfL (Verein für Leibesübungen) bei, unter dem er nunmehr bekannt war.

Der Dorfverein erzielte in der Nachkriegszeit beachtliche Erfolge und spielte viele Jahre eine führende Rolle in der Bezirksklasse, in die man 1964 aufgestiegen war.

Da Berge 1968 im Zuge der kommunalpolitischen Änderungen Teil des Hammer Südens geworden war und die Beziehungen zu den dort angesiedelten Vereinen ohnehin recht freundschaftlich waren, stand man in Berge dem Gedanken einer Fusion durchaus positiv gegenüber. Man erkannte, dass die Probleme in den Vereinen im wesentlichen die gleichen waren: Die Zahl der aktiven Fußballer sank, dagegen stieg die Nachfrage nach anderen Sportarten. Übungsleiter dafür aber waren dünn gesät, Ehrenämter immer weniger gefragt, die allgemeinen Kosten stiegen – kurz: Die Basis mußte verbreitert werden, um den Sportverein effizient zu organisieren.

So wurden zunächst vorsichtige Sondierungsgespräche zwischen den Südener Vereinen Post-SuS, VfL Berge und Teutonia aufgenommen, mit dem Ziel einer möglichen Vereinigung. Wegen der Verflechtung des Post-SuS mit der Bundespost führten die Verhandlungen mit diesem Verein nicht zum gewünschten Ergebnis.

Die Mitgliederversammlungen der beiden anderen Vereine beschlossen jedoch 1972 den Zusammenschluß unter dem Namen “Südener Sport-Gemeinschaft 06/24 Hamm” (SSG). Sicherlich zunächst eine Vernunftehe, bei der die Partner aber organisch zusammenwuchsen; 1973 wurde der Verein in das Vereinsregister eingetragen.

Die weitere Entwicklung verlief stetig, neue Abteilungen bildeten  sich, so dass der Verein 1975 dem Westdeutschen Handball-Verband und 1979 dem Westdeutschen Volleyball- und Tennis-Verband beitrat. In diesem Jahr wurde als Ableger der schon 1964 gegründeten Damen-Gymnastik-Abteilung auch zum ersten Mal Babyschwimmen angeboten, später wurde daraus die “Mutter- und Kind-Abteilung”

Neue Infrastruktur in den 80ern

Höhepunkt im Jahr 1981 war neben der Feier zum 75jährigen Jubiläum die Einweihung der vereinseigenen Tennisanlage an der Grünstraße. Am 9.Januar 1982 meldete die SSG erstmals das Überschreiten der magischen Grenze von 1000 Mitgliedern. Und am 18.März 1983 war es dann so weit: Nach 7000 Arbeitsstunden zahlreicher Helfer wurde offiziell das Vereinsheim eingeweiht. Überwiegend in Eigenhilfe, mit privaten Spenden und städtischen Zuschüssen wurde das 200 Quadratmeter große Fertighaus an der Jägerallee abgebaut und in mühevoller Kleinarbeit an der Grünstraße wieder errichtet und von innen völlig umgestaltet. Nur gut sieben Jahre später wurde das Clubhaus durch einen Brand nach einem technischen Defekt erheblich beschädigt.

Doch erneut zeigte sich das große ehrenamtliche Engagement der Mitglieder: Nach erfolgtem Wiederaufbau konnte schon nach rund einem halben Jahr wieder in den Räumen gefeiert werden.

In einer Chronik darf auch die eine oder andere Anekdote nicht fehlen: So etwa fand sich in der Lokalzeitung Westfälischer Anzeiger am 5.Juni 1986 die Meldung “1.Vorstandssitzung in der Lamberti-Kirche” – doch dies war keine “Zurück-zu-den-Wurzeln”-Überlegung des SSG-Vorstandes, sondern lediglich eine Zeitungsente, denn natürlich mußte es heißen “Lamberti-Klause”.

Dort mußte übrigens ein Jahr später die SSG-Generalversammlung wegen Überfüllung des Saales verschoben und anschließend in die Zentralhallen verlegt werden, wo immerhin 164 Teilnehmer gezählt wurden.

ce69442a50Sportliche Highlights in den 90ern

Am 23.Juni 1991 organisierte die SSG erstmals in ihrer Geschichte ein offizielles Länderspiel: Mehr als 1000 Zuschauer verfolgten das Volleyball-Duell zwischen den Damen aus Deutschland und Kuba.

Überhaupt setzten die Volleyballer in diesem Jahrzehnt die Akzente: Erstmals spielte mit der 1. Herren-Mannschaft in der Saison 91/92 ein Team der SSG in der Oberliga und die männliche Jugend schaffte mehrfach die Teilnahme an Westdeutschen Meisterschaften.

Im Dezember 1992 waren es auch die Volleyballer, die als erste Abteilung nach dem Fall der Mauer einen sportlichen Vergleich mit einem Verein (Potsdam) aus dem Osten Deutschlands wagte. Und als einer der ersten Vereine in Deutschland baute die SSG in Eigenregie schon 1990 einen Beach-Volleyball-Platz, was dazu führte, dass man zunächst auf westdeutscher, später sogar auf nationaler Ebene herausragende Ergebnisse erzielte. Zwölf Jahre später wurde gar eine neue Zwei-Feld-Anlage eingeweiht. Doch nicht nur die Volleyballer sorgten für Furore, so schafften 1994 die Handball-Damen den Aufstieg in die Verbandsliga, was letztlich – aufgrund von Spielerinnenmangel – zwei Jahre später zu einer immerhin vierjährigen Spielgemeinschaft mit dem ASV Hamm führte.

Doch es war beileibe nicht nur die leistungssportliche Fahne, die in dieser Zeit hochgehalten wurde: Im September 1992 wurde die Wanderabteilung neu gegründet, die erste Wanderung fand am Möhnesee statt. Überhaupt wird der Verein im letzten Viertel seiner hundertjährigen Geschichte dem Begriff Gemeinschaft in seinem Namen besonders gerecht: Davon zeugen etwa seit 1986 die jährlichen Ferien-Vereinsfahrten auf die Nordseeinsel Wangerooge ins “Haus am Meer”, bei der stets mehr als 60 Teilnehmer dabei sind, ebenso wie seit Anfang der 80er die jährliche Mondseefahrt (Österreich) der Tennisabteilung oder die rege Beteiligung bei der Abnahme des Deutschen Sportabzeichens schon seit Mitte der 70er Jahre.

Das neue Jahrtausend

Mitgliederstärke und sportliche Erfolge der einzelnen Abteilungen spiegeln wider, dass ein Sportverein wie die SSG einem steten Wandel unterworfen ist, so entwickelt sich die erst 1985 gegründete Basketball-Abteilung zu Beginn des neuen Jahrtausends zu einem  Aushängeschild und so erleben die lange Zeit wenig schlagzeilenträchtigen Fußballer just im Jubiläumsjahr 2006 ganz offensichtlich eine Renaissance.

Einzelne Namen zu nennen, heißt viele zurückzustellen – und so sollen an dieser Stelle auch nur zwei ganz besondere Sportlerinnen genannt werden, die dafür gesorgt haben, dass der Name SSG Hamm auf Dauer einen festen Platz in den Annalen des deutschen Sports haben wird: Ines Pianka und Tonya Williams holten am 24. August 2003 den Titel eines Deutschen Meisters im Beach-Volleyball. Mehr als 50 000 Zuschauer verfolgten die nationalen Titelkämpfe am Timmendorfer Strand, an deren Ende das Duo der SSG und seine mitgereisten Fans jubeln durften.

Was auch immer die Zukunft der SSG bringen wird – die aktiven und passiven Mitglieder, die Sportler wie die Funktionäre, alle sollten sich immer der Bedeutung der drei  Buchstaben bewusst sein, dann kann die S-S-G optimistisch in ihr zweites Jahrhundert gehen, und zwar als ein Stadtteil-Verein, der seine Wurzeln im Hammer SÜDEN hat, ein Verein, der sich stets auf die Werte des SPORTS besinnt – und all dies in einer starken GEMEINSCHAFT!

Die Chronik wurde erstellt von Lothar Korf (verst. 1991),
Manfred Lopatenko und Ralf Krolczyk